Thomas A. Bauer, Marko Ivanisin, Bernd Mikuszeit (Hrsg.) Evaluierung von Bildungsmedien und Multimedia Kriterien und Weiterbildungsangebote Internetpublikation zum Projekt




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Sana26.06.2021
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Europäische Kulturbeobachtung
Kulturen sind, was wir über sie wissen, sie können nur aus der Position von kulturellen Wissensmodellen beobachtet werden. Was wir jenseits dieser Wissensmodelle aber auch in Erfahrung bringen wollen ist: wie lässt sich eine Europäische Kultur beweisen? Gibt es Merkmale und was sind ihre Merkmale? Woher beziehen wir sie? Auch hier sind wir wieder rückgebunden an die Wissensmodelle (Sinn, Ästhetik, Ethik) mit denen wir Handlungsmuster des Alltags als kulturell relevant ausweisen (beweisen). Jede Beobachtung von Kultur wird erst innerhalb eines kulturell definierten Beobachtungsrahmens möglich, den man in der kulturellen Beobachtung Europas mit gutem Grund (zunächst) historisch anlegen kann. Denn Geschichte selbst ist bereits ein kulturelles Konstrukt der Beobachtung, eine nachzeichnende Konfiguration (Konstruktion) von Geschehenem, das sich für sich selbst nicht selbst erklärt, sondern (nur) im Kontext weiterer Beobachtungsperspektiven erklärt (verstanden) werden kann. In diesem Sinne ist europäische Kulturbeobachtung nicht nur ein Akt von Identifikation oder Identitätsfindung, sondern auch ein solcher von Positionierung oder Positionsfindung:

Wo stehen wir, wenn wir Geschehens zur Geschichte machen? Aus welcher Position ist das möglich, notwendig, redlich, ehrlich oder möglicherweise verlogen? Die Beobachtung der Kultur, selbst der (eigenen) historischen, verlangt die kulturelle Positionierung der Beobachtung und macht am Ende die (ästhetische und ethische Positionierung der) Beobachtung des Gegenstands zum Gegenstand der Beobachtung (vgl. Schmidt 2004: 59 ff)


In diesem Sinne ist jede Kulturbeobachtung eigentlich transkulturell- zirkuläre Selbstbeschreibung. Da - zumindest die positiv interessierte, zum Beispiel die kritische Aufarbeitung von Geschichte - Beobachtung mit dem Interesse verbunden ist eine Verstehensposition zu finden für das, was man beobachtet, ist sie als Akt der Kommunikation zu werten, was den zugespitzten Umkehrschuss zulässt: die intensivste und erkenntnisreichste Form der Kommunikation mit dem Projekt Europa ist ihre aufmerksame und kritische Beobachtung. Kommunikation der Schlüssel von Beobachtung. Die Schwachstellen der Beobachtung sind Schwachstellen der Kommunikation und solche der Kommunikation sind Schwachstellen der Beobachtung. Geht es in der Europäischen Kulturbetrachtung nun darum die Gesellschaft nicht nur besser zu verstehen, sondern auch besser und nachhaltiger zu gestalten, dann muss man in diesem Zusammenhang in Erinnerung rufen, dass die Gesellschaft eben das ist, was ihre Kommunikation ausmacht (Bauer 2011: 496), was zu dem dann doch wenig überraschenden Ergebnis führt: die Gesellschaft gibt sich die Chance der Entwicklung dort, wo sie ihre Kommunikationskultur verbessert. Diese verbessert sie durch eine bewusst-kreative (kritische) Beobachtung. In einer Mediengesellschaft ist es auf weite Strecken das Medienprogramm, noch besser: das Medienkompetenzprogramm, dem diese Aufgabe der Beobachtung zufällt oder zugeordnet wird. In einer so definierten Ausprägung selbstreflexiver und selbstkritischer Aufmerksamkeit lernt die Gesellschaft da und dort ihre bestmögliche Verwirklichung zu erlangen: Kultur und Kommunikation erklären sich wechselseitig innerhalb des Kontexts der Selbst-Reflexion. Kultur und Kommunikation sind füreinander und eine durch die andere die jeweils andere Seite der Münze Gesellschaft. Das eine ist ohne das andere nicht verhandelbar. Trotz der Tatsache, dass sie verschiedene Kompetenzen sozialer Umsetzung beanspruchen, ist die Fragilität der Gesellschaft immer die der Kultur, weil die Kommunikation. Die Schwachstelle von Kultur ist kommunikativ begründet, die Schwachstelle von Kommunikation ist kulturell begründet.

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