Die Hypothese der generativen Aneignung




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Sana26.06.2021
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Die Hypothese der generativen Aneignung:

Wirklichkeit ist, so argumentieren Konstruktivisten - ob radikal oder gemäßigt - (vgl. Watzlawick 1974, Berger/Luckmann 1974, Glasersfeld/v. Förster 2007, Schmidt 2003) alles was wir durch Kommunikation konstruieren und über ihre Zeichenstruktur repräsentieren können. Materialisierung und Vergegenständlichung von Wirklichkeit geschehen im Modell der Aneignung durch Bild, Gesten und Sprache. Jede Aneignung aber ist nicht einfach eine neuerliche, wenn auch wiederholte Materialisierung des Gleichen, sondern eine im Wege der Wiederholung geleistete Nachahmung (Mimesis – vgl. Gebauer/Wulf 1998) und in diesem Sinne nicht einfach eine wiederholte Abbildung, sondern eine neue Version der Konstruktion auf der Basis der Einfühlung in eine Struktur und in das durch sie im Gebrauch durch Andere schon Gemeinte wie auch zugleich eine Individualisierung eines möglich Verallgemeinerten. Der Gebrauch von Zeichen ist zum einen soziale Praxis, zum andern eine generative Aneignung. Wenn man, wie Ethnologen dies tun (vgl. Lèvi-Strauss 1968), Sprache als Ausdruck und Kompetenzmodell von Kultur versteht, dann ist Bildung, weil gebunden an Sprache, das Entwicklungsmodell von Kultur. Versteht man Sprache aber nicht nur strukturalistisch, sondern, kulturalistisch, dann ist sie nicht nur ein Mittel (technisches Medium) zur Kommunikation, sondern selbst ein kulturelles Modell von Kommunikation. In diesem Sinne ist Sprache, weil Medienwelten Lebenswelten sind, immer zugleich der soziale Ort der eigenen Lebensbeschreibung. Das unterstreicht die Ausrichtung der theoretischen Konzeption von Bildung als Kompetenzmodell von Kommunikation im Sinne der Fähigkeit, Bereitschaft und Zuständigkeit der Herstellung und Pflege eines kritisch ausbalancierten Verhältnisses, gekennzeichnet durch Aufmerksamkeit und Sorgfalt, zur natürlichen, sozialen, kulturellen und symbolischen Umwelt. Im Rahmen seiner Untersuchungen zur linguistischen Kompetenz entwickelt Noam Chomsky (1981) das hypothetische Konzept der „generativen Grammatik“. Es besagt, dass Menschen, die die Grammatik einer Sprache beherrschen, in der Lage sind daraus weitere grammatische Zusammenhänge zu generieren und zu generalisieren und, weil sie so ihr Sprachvermögen erweitern, auch die Horizonte ihrer Weltaneignung erweitern (vgl. Certeau 1981).



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